Erneutes S-Bahn-Chaos in Berlin
Dienstag, 8. September 2009

Erneut weniger S-Bahnen in Berlin unterwegs
Eine erneute Hiobsbotschaft für alle Berliner, die auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind.
Fast 400 Züge wurden heute aus dem Betrieb genommen. Grund ist eine Überprüfung der Bremssysteme, bei Tests wurden „sicherheitsrelevante Mängel“ festgestellt.
Nur rund ein Viertel der Berliner S-Bahn-Züge sind heute im Einsatz. Ein Notfallplan wird entwickelt und soll bis zu 3 Monate gelten.
Die technische Ursache liegt diesmal bei den Bremszylindern. Dort gibt es eine Schraube, die regelmäßig ausgetauscht werden muss, da sich sonst das Gewinde ab nutzt und die Schraube herausrutscht. Das kann zum Versagen der Bremsen führen.
Dieser Defekt tauchte gestern bei vier Zylindern an einem einzigen Wagen auf.
Nach Rücksprache mit dem Eisenbahnbundesamt gab es vom zuständigen Bahnvorstand für den Personenverkehr, Ulrich Homburg, die Erklärung: „Ein sicherer Bahnbetrieb ist nur gewährleistet, wenn wir die Züge aus dem Verkehr nehmen.“
Nach den Chaoswochen der Berliner S-Bahn im Sommer nun der nächste Rückschlag. Hatte es damals Problemen mit den Radscheiben gegeben, wurden gerade wieder 60 Prozent der Züge eingesetzt. (siehe Artikel: “Die Berliner S-Bahn fährt wieder“)
Da die insgesamt 163 eingesetzten Züge auf dem gesamten Berliner Streckennetz verteilt sind, wird es einige Zeit dauern bis diese auf den Notfahrplan umgeleitet sind – das Chaos-Szenario für alle Pendler scheint vorprogrammiert.
Der Bahn-Manager bezieht die erneuten Probleme auf den radikalen Sparkurs der Bahn-Verantwortlichen in der Vergangenheit: „Es gibt teilweise gesicherte Spekulationen, dass die S-Bahn seit 2004 gegen ihr eigenes Regelwerk verstoßen hat“, sagte Homburg. Die Schlamperei müsse man lückenlos aufdecken und versprach: „Die Verantwortlichen werden wir zur Rechenschaft ziehen!“
In den Werkstätten der Bahn werden in den nächsten Wochen Extra-Schichten geschoben. Alle Bremszylinder der 373 betroffenen Züge werden ausgetauscht, und jeder Wagen besitzt acht davon. Um den riesigen Aufwand zu bewältigen soll dafür eine neue Werkstattstraße aufgebaut werden.
Doch die Bahn befürchtet Liefermängel, denn der Hersteller muss die Einzelteile in der nun benötigten Menge noch schnellstmöglich nachproduzieren.
Der vorläufige Notfahrplan:
S 1: Potsdam – Oranienburg alle 20 Minuten
S 2: Bernau – Blankenfelde alle 20 Minuten
S 25: Hennigsdorf – Teltow Stadt alle 20 Minuten
S 3: Ostbahnhof – Erkner alle 20 Minuten
S 41 / S 42: Die Ringbahn alle 10 Minuten
S 45: fällt aus
S 46: Königs Wusterhausen – Hermannstraße alle 20 Minuten
S 47: fällt aus
S 5: Strausberg – Alexanderplatz alle 20 Minuten
zwischen Strausberg und Strausberg Nord fahren Ersatzbusse alle 40 Minuten
S 7: Ahrensfelde – Ostbahnhof alle 20 Minuten
S 75: fällt aus
S 8: Hohen Neuendorf – Blankenburg alle 20 Minuten
S 85: fällt aus
S 9: Flughafen Schönefeld – Treptower Park alle 20 Minuten
Foto: bukk @ commons.wikimedia.org
Schlagwörter: Berliner S-Bahn, Flughafen Schönefeld, Notfahrplan, Ringbahn, S-Bahn-Chaos, Ulrich Homburg











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