Monopoly mit der Berliner Seenlandschaft
Mittwoch, 29. Juli 2009

Uferweg am Griebnitzsee
Nicht jeder wird wissen das Berlin/Brandenburg eine der Seenreichsten Gebiete in ganz Deutschland ist. Insgesamt gibt es in der Region mehr als 3000 Seen und würde der Sommer dieses Jahr mitspielen, könnten die Berliner diese geographische Eigenschaft noch wesentlich ergiebiger nutzen.
Mehr und mehr sieht die Stadtverwaltung allerdings den möglichen Profit der aus dem Verkauf dieser Wasserflächen an reiche Privatleute oder Spekulanten. Doch nicht selten ist es die Stadt selbst die sich damit ein Schnippchen schlägt.
Geschehen ist dies beispielsweise am Wandlitzsee nördlich von Berlin, der von der Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft Berlin (BVVG) an die Immobilienfirma Teutonia verkauft wurde.
Zwar hatte in diesem Fall die Gemeinde Wandlitz ein Vorkaufsrecht, diese konnte jedoch damals die geforderte Mindestsumme von 420.000 Euro nicht aufbringen. In der Folge stieg die Teutonia ein und kaufte den See. Daraus resultierte postwendend die Einführung einer “Stegmiete” für die rund 120 Besitzer der Bade- und Bootsstege.

Wandlitzsee Berlin
Im Vertrag mit der Immobilienfirma wurde zwar festgeschrieben das die Öffentlichkeit weiterhin Zugang zu dem See haben müsse und Fischereirechte nicht eingeschränkt werden dürfen, durch einen “Trick” (Es wurde eine Wandlitzsee-Aktiengesellschaft gegründed so das Stegbesitzer Aktionbeteiligung kaufen mussten) gelang es dem Investor dann doch Geld aus dem ehemaligen Volkseigentum zu ziehen.
Seitdem zahlt die örtliche Badeanstalt, und somit der Steuerzahler, jährlich 10.000 Euro alleine für die Nutzung ihres eigenen, für teuer Geld frisch renovierten Badesteg.
Am Griebnitzsee wurden sogar infolge eines Rechtstreits Barrikaden an einem beliebten Uferweg errichtet. Wer jetzt an Autonome oder irgendwelche Demonstranten denkt irrt, denn hier waren es die wohlhabenden Anwohner die den Weg sperrten. Im Jahr 2004 hatten sich insgesamt 7000 Potsdamer und Berliner Bürger in einer Unterschriftenaktion für den Erhalt des Uferweges um den Griebnitzsee und eine öffentliche Betretbarkeit der Uferflächen bis zum Wasser ausgesprochen. Gegen den daraus reultierenden Bebaungsplan erhhoben einige Villenbesitzer einspruch und bekamen vor Gericht recht.
Eine große Schuld an der Misere trägt die Stadt Potsdam, die vergass oder nicht wusste das die Käufer der Grundstücke sich rein rechtlich nicht um öffentliche Wege scheren müssen. Auf der anderen Seite sind da ein Haufen reicher Anwohner die, keinerlei sozialen Gedanken an den Tag legend, darauf pfeifen das die Allgemeinheit auch gerne am Ufer spazieren gehen würde, auf Stur schalten und auf Teufel komm raus auf ihr juristisches Recht pochen.
Eine Stadt wie Berlin sollte sich in Zukunft besser überlegen an wen sie, wenn überhaupt, Erholungsgebiete und von der Allgemeinheit genutzte Grundstücke verkauft. Eine gute Alternative wäre der Naturschutzbund Brandenburg, der schon jetzt im Besitz von 23 Seen ist und diese Zahl noch auf über 100 ausweiten möchte.
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Fotos:
Uferweg am Griebnitzsee: commons.wikimedia.org / by jorges
Wandlitzsee: commons.wikimedia.org / by Angela Monika Arnold
Schlagwörter: BVVG, Griebnitzsee, See, Seenlandschaft, Teutonia, Wandlitzsee











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