Geschichte des Flughafen Berlin-Tempelhof
Montag, 27. Juli 2009

Flughafen Tempelhof
Momentan sorgt in Berlin vorallem die chaotischen Zustände der S-Bahn für Schlagzeilen. Aber auch eine andere Verkehrseinrichtung schafft es noch regelmäßig, die Aufmerksamkeit der Berliner und Berlinerinnen auf sich zu ziehen.
Obwohl, vielleicht aber auch gerade weil der Flughafen Berlin-Tempelhof inzwischen Stillgelegt wurde, sind Diskussionen um dessen weitere Nutzung an der Tagesordnug. Kreativen Ideen sind da auch keinerlei Grenzen gesetzt, sogar von einen auf dem Gelände aufgehäuften Berg für die Berliner, war bereits die Rede. Doch wer ist dieser Flughafen inmitten der Berliner Stadtgrenzen - Es wird Zeit für einen historischen Rückblick.
Bereits 1923 nahm der Flughafen als einer der ersten Verkehrsflughäfen Deutschlands seinen Betrieb auf. Begonnen hatte die Geschichte des Flughafens allerdings schon vorher, im Jahr 1909, als ein Herr namens Orville Wright erste Flug und Rekorversuche auf dem damaligen Tempelhofer Feld durchführte.
Nachdem die damalige Stadtregierung zunächst die Nutzung des bisherigen Exerzierplatz für neue Messehallen vorgesehen hatten, wurde nach eingem hin und her die Bebauung als neuer Zentralflughafen beschlossen. Insbesondere ein österreichisch-deutscher Ingenieur, Politiker und Arbeiterpriester namens Dr.Leonhard Adler leistete in diesen Zeiten Überzeugungsarbeit und war beständig darum bemüht dem Magistrat (Senat) noch weitere Genehmigungen und finanzielle Mittel abzureden.

Flughafen Tempelhof 1930
Im ersten Provisorium wurde nahe der Hasenheide ein Stück des Tempelhofer Feldes planiert und zwei große Holzhallen errichtet. Immerhin war damit der Betrieb kleinerer Flugzeuge möglicht. Dem redegewantebn Dr.Adler gelang es bei einer Flugführung, bei der es zu einem Flugzeugabsturzes kam und zwei Magistraten ums Leben kamen, die Entscheidungsträger von der Notwendigkeit eines Flughafens zu überzeugen.
So wurde im Jahre 1924 die Berliner Flughafen-Gesellschaft mbH (BFG) gegründet, die, wie sie vielleicht wissen, heute noch besteht und für den „Ausbau und Betrieb des Flughafens auf dem Tempelhofer Feld und anderer Luftverkehrseinrichtungen in Berlin“ verantwortlich ist.
Mit den euen Investitionsgeldern im Rücken wurde ein ca. 1,5 Mio. m² großes Areal planiert. Da nicht ausreichend Material vorhanden war, wurde außerdem ein ganzer Haufen Müll zur Verfüllung mit untergraben. Bei der Fertigstellung im Jahre 1927 war der Flughafen Tempelhof der weltweit einzige Flughafen mit einem direktem U-Bahn Anschluss. Aufgrund stetig steigender Passagierzahlen wurde der Flughafen von Beginn an beständig ausgebaut. Im Jahre 1928, nachdem bereits zahlreiche Hallen angebaut waren, entschloss man sich zu einem kompletten Neubau.

Flughafen Tempelhof 1945
Da das Gelände ausreichend groß war, konnte man den Neubau fertigen ohne das der Flugbetrieb eingeschränkt werden musste. 1930 begonnen, zogen sich die Bauarbeiten bis nach Kriegsende 1945 hin.
Hitlers Befehl den Flughafen gegen die anrückenden Allierten zu verteidigen wurde vom Flughafenkommandant Oberst Rudolf Böttger ignoriert. Dieser versteckte die zur Verteidigung bereitgestellten Waffen und machte aus dem Flughafen kurzerhand ein Lazarett. Auch dem eindeutigen Befehl Hitlers, den kompletten Komplex zu sprengen, entzog sich Oberst Böttgers durch Befehlsverweigerung. Die genauen Umstände dieser Stunden sind heute allerdings unklar.

Rosinenbomber am Flughafen Tempelhof
Nach Kriegsende wurde der Flughafen zur “Tempelhof Air Base” und vorwiegend von den Amerikanern zu militärischen Zwecken genutzt. Während der sowjetischen Blockade Berlins von 23. Juni 1948 bis 12. Mai 1949 wurde die ganz Berlin mittels sogenannter Rosinenbomber über den Luftweg mit Nahrunsmitteln und dem Lebensnotwendigen versorgt. Insgesamt fanden in diesem Zeitraum über 280.000 Versorgungsflüge statt.
Der Flughafen Tempelhof nahm hierbei eine zentrale Rolle ein und war dementsprechend überlastet, weshalb in dieser Zeit auch der Grundstein für den Flughafen Berlin-Tegel gelegt wurde. Dieser wurde unter französischer Führung errichtet und wird in den folgenden Jahren noch weiter für die zivile Nuzung ausgebaut werden.
Auf bitten der Westberliner Regierung gab man einen Teil des bis zu diesem Zeitpunkt rein militärisch genutzten Geländes für die zivile Nutzung frei. Fünfzehn Jahre nach Baubeginn konnte der Flughafen Berlin Tempelhof am 9. Juli 1951 erstmals seine Tätigkeit als Passagierflughafen aufnehmen. So wurden im Jahr 1951 bereits 320.000 Passagiere befördert, 1954 hatte der Flughafen Tempelhof schon mehr als 650.000 Fluggäste und 1960 waren es bereits 1.5 Millionen.
Schnell wurde klar das, trotz der zunehmenden Nutzung des Flughafen Tegel, größere Kapazitäten in Tempelhof erreicht werden müssen und so wurden Anfang der 60er Jahre weitere Teile des Areals für die zivile Luftfahrt freigegeben. 8 Jahre später war die Passagiergrenze erneut erreicht und so entschloss man sich im Jahre 1975 den Flughafen Tempelhof für den Passagierverkehr zu schließen und stattdessen den Flughafen Tegel zu nutzen.

Flughafen Tempelhof 1985
1985 erkannte man erneut die Notwendigkeit des Flughafens und öffnete diesen erneut für die zivile Luftfahrt und bereits im Jahr1990 wurden wieder mehr als 400.000 Fluggäste gezählt. Mit dem Ende der UddSR und dem damit verbunden Ende des kalten Krieges verlor Deutschlands Grenze für die Amerikaner an Bedeutung. Deshalb zog sich die US-Army zurück und im Jahr 1993 übergab die US Air Force den Flughafen an die Berliner Flughafen-Gesellschaft.
Trotz der kaum vergangenen erneuten Öffnung des Flughafen Tempelhof war bereits im ersten Flächennutzungsplan die Nutzung des Tempelhof-Geländes als Gewerbe-, Wohn-, Park-, Sport- (zum Beipsiel für Volleyball) und Sonderfläche vorgesehen. Im Jahr 1996 wurde mit dem Beschluss in Schönefeld den Flughafen Berlin Brandenburg International (BB) zu errichten das Ende des Flughafen Tempelhof eingeleitet.

Flughafen Tempelhof Hauptgebäude
Der letzte Flug fand am am 24. November 2008 statt. Eine Beechcraft F33A Bonanza D-EDBS verließ unter den Augen zahlreicher Schaulustiger den Flughafen in Richtung Schönhagen. Der Flughafen Berlin Brandenburg International (BB) wird am 30. Oktober 2011 fertigestellt. Die weitere Nutzung des Geländes des Flughafen Tempelhof wird heftig diskutiert. Momentan werden die Gebäude als Veranstaltungsort für die Modemesse Bread&Butter genutzt.
Der Senat hatte einst versprochen die Nutzung gemeinsam mit den Berlinern und für die Berliner zu gestalten. Bisherige Pläne machten diesen allerdings mehr Sorgen als Vorfreude. Bisher vorgelegte Pläne sind zum größtenteil im Sinne der Wirtschaft und der sozial Starken. Gegen die Aufwertung der Gegend und den damit verbundenen Mieterhöhungen protestiere erst vor kurzem die Gruppe “Squad Tempelhof”.
Wir sind also gespannt was die nächsten, und warhscheinlich letzten 10 Jahre Flughafengeschichte bringen werden und hoffen auf eine weitere Nutzung im Sinne der Berliner Allgemeinheit.
Schlagwörter: Dr.Leonhard Adler, Flughafen, Flughafen Tempelhof, Flughafen-Gesellschaft, Geschichte











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