1.Mai in Berlin - MyFest und Randale in Kreuzberg
Montag, 4. Mai 2009
Berlin, diese wundersame und zugleich wunderbare Stadt die uns tagtäglich umgibt, findet nicht selten den Weg in die Medien. Dies ist auch nicht ungewöhnlich, handelt es sich doch um die Hauptstadt und zugleich größte Stadt Deutschlands.
Doch das Bild in den Medien ist nicht selten negativ geprägt und so teilen sich Rütli Schule und Berlinale, Arbeitslosigkeit und hohe Lebensqualität die Schlagzeilen über die Hauptstadt. Ähnlich skuril läuft das auch am 1.Mai in Berlin ab und wer das Ganze vor dem TV verfolgt wird sich fragen wie genau eigentlich die Berliner ticken. Da wird das Bierchen in der Kneipe an der Straßenecke seelenruhig ausgetrunken, obwohl 200 Meter entfernt kriegsähnliche Straßenschlachten stattfinden. Auf Nachfrage wird dies dann noch mit dem trockenen Satz: ” das haben wir hier jedes Jahr” kommentiert.
In diesem Jahr war die Berichterstattung im Vorfeld aufgrund mehrerer in Flammen gesetzten Autos besonders üppig ausgefallen und es wurden insbesondere aus dem CDU-Lager die wildesten Befürchtungen ausgesprochen. Einige (mit ganz besonderem Weitblick ausgestattete) Politiker forderten sogar für den 1. Mai ein Demonstrationsverbot für den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg durchzusetzen.
Im Nachhinnein möchte sich wohl niemand ausmalen mit welchem Preis dieses Verbot hätte erkauft werden müssen. Denn abgesehen davon das die Versammlungsfreiheit und das Recht zu Demonstrieren trotz aller Befürchtungen ein hohes Gut unserer Demokratie darstellt und von daher nicht untergraben werden sollte, ist es naiv zu glauben das Verbot würde aggressive Randalierer von ihrem Tun abhalten können. Vielmehr ist anzunehmen das eine solche Maßnahme für viele ein Grund und weiterer Nährboden für Ausschreitungen gewesen wäre.
Viel weitsichtiger ist da die Idee der Veranstalter des MyFest, denen es gelungen ist ein absolut friedliches, atmospherisch angenehmes und musikalisch anspruchsvolles Straßenfest zu organisieren - und das am 1. Mai mitten im “Krisengebiet” Kreuzberg/Kottbusser Tor. Und so feierten tausende Berliner, viele samt Familie, ein schönes MyFest mit insgesamt 17 Musikbühnen, Kundgebungen und friedlichen Demonstrationen.
So manch einer war überrascht wenn er beim Verlassen des “Festivalgelände” feststellen musste, das bereits um ca. 19Uhr keine 500 Meter entfernt der Bühnen schon wilde Straßenschlachten in Gang waren. Offiziell wurde berichtet, das der Grund dafür die Auflösung einer Demonstration nach Steinwürfen gegen die Polizei war. Doch die “befeindeten” Parteien legen hier unterschiedliche Versionen vor, so das der tatsächlichee Hergang wohl nicht geklärt werden wird.
Im Endeffekt ist wohl auch zu vernachlässigen warum genau es zu Aggresionen kam, den zum heftigem Durchgreifen waren beide Seiten schon im Vorfeld bereit gewesen. Ein bißchen erinnert die “Vorhersehbarkeit” der Konfrontation an alte Schulzeiten, wenn sich die beiden Klassenschläger nach der Schule trafen um per Schlägerei eindeutig zu beweisen wer der Stärkere ist.
Menschen, die sich auf dem MyFest dem friedlichen Protest und der Musik hingaben, blieben von diesen Ereignissen noch ein bis zwei Stunden verschont, dann allerdings wurde es auch vor den Bühnen (insbesondere in der Adalbertstraße) heiß. Weshalb sich die Polizei dazu entschied auf ihren Patroullien regelmäßige Umwege über die Tanzflächen zu laufen, blieb den dort anwesenden ebenso unklar wie der Grund für die Härte mit der die Polizei dabei gegen die absolut friedliche Menge vorging. Denn wo weit und breit keine Flaschen und Steine fliegen, da sollten auch keine Polizeibeamten mit schwingendem Schlagstock auf tanzende Menschen zurennen, geschweige denn diesen Pfefferspray ins Gesicht sprühen.
Derlei Verhalten sollte vielleicht in Zukunft überdacht werden, führt dieses Eingreifen doch sichtlich und unmittelbar zu erheblich erhöhter Gewaltbereitschaft seitens der Demonstranten. Überhaupt ging die Polizei sehr aggressiv gegen die Besucher des MyFest vor und so musste manch einer feststellen das man auch umgeben von gewaltverneinenden Menschen, keinerlei Aktionismus zeigend und friedlich im Verhalten nicht vor Pfefferspray und Knüppeleinsatz seitens der Beamten geschützt ist. Wer sich allerdings stets aus dem Staub macht wenn die Polizeibeamten nahen und sich auch den Anhängern des schwarzen Blocks nicht nähert, der kann durchaus vor Ort sein ohne sich in allzu große Gefahr zu bringen.
Auch die Seite der Randalierer und Chaoten tat wieder was man von ihrem Intellekt erwartet und führten sich auf als wären sie in einem Krieg gegen alles und jeden. Da wird vom politischen Protest gegen die Oberschicht und gegen das Kapital geredet und auf der anderen Seite die Scheiben eines bei weitem nicht luxoriösen Opel Astra (Baujahr 1992!) eingeschlagen. Insbesondere blieben jedoch jene Gruppe der besonders mutigen im Gedächtnis, denen es lieber ist von der Polizei nicht gesehen zu werden und dafür nicht zu wissen wen die gerade in die Luft geschleuderte Flasche trifft als umgekehrt. Die meisten der gemeldetet Verletzungen gingen nach eigener Abschätzung auf von Demonstranten geworfenen Flaschen die wiederum Demonstranten trafen und den massiven Pfefferspray-Einsatz der Polizei gegen alles und jeden.
Fakt ist jedoch das die Polizei, entgegen offizieller Aussagen, weniger deeskalierend als viel mehr Aggressionsfördernd agierte und die Randalierer wieder einmal klarstellten das, entgegen der eigenen Aussage, die Befriedigung der eigenen Gewaltbereitschaft dem politischen Anliegen vorne ansteht!
Als Resümee darf gesagt werden das der 1.Mai ein wunderschöner Tag in Berlin ist und das “MyFest” bietet sich tagsüber aufgrund der friedlichen Demonstrationen auch für Familien an. Der blinde Aktionismus und die sinnfreie Gewaltbereitschaft von Seiten der Randalierer und der Polizei führen dann doch Jahr für Jahr zu negativer Presse und überschatten die eigentliche (notwendige) politische Botschaft der Demonstrationen.
Wie haben sie den 1. Mai / das MyFest empfunden? Wie empfinden sie die Berichteratattung in den Medien?











02. Jun. 2009 um 20:00
der erste mai ist immer schön in berlin! zeit zu zeigen wer das volk ist! nur schade, dass die staatsorgane selbst an einem solchen feiertag nicht vorhaben ihre souveränität und stärke bei seite zu legen und mithelfen ein friedlichen tag zu erleben.
(ja es gibt auch viele krawallmacher in den reihen der demonstranten, aber da diese keine koordinierte einheit bilden ist das auch schwer zu kontrollieren)von der polizei muss ich aber gezieltes eingrefen erwarten! zb werden deomonstranten/mayfestbesucher die nicht achtsam genug sind auf den scherbenüberfüllten boden geschubst was zu schlimmen schnittverletzungen führen kann! und wie schon oben angefürte weiteres vorgehen gegen teilweise völlig friedliche menschen halte ich für total unangebracht!