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Berlin ist arm aber sexy

Donnerstag, 12. Februar 2009

Berlin

Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit kann es nicht oft genug sagen: „Wir sind arm, aber trotzdem sexy“. Doch was macht Berlin so „sexy“ und sind wir wirklich so arm?

Berlin, das ist Weltkriegsgeschichte vor mehr als 60 Jahren und dies zeichnet immer noch das heutige Stadtbild zwischen altertümlichen Bauten und Hochhäusern. Wenn man über die Hunderten von Szenelokalen und den Tausenden von Dönerbuden hinaus schaut, kann man noch überall ein Fleck von alter Geschichte entdecken. Berlin ist multikulturell und aufregend. Fernsehturm oder Brandenburger Tor, Kultur gibt es reichlich. Kreative Köpfe hier und dort, ob Musiker, Designer oder Künstler, Die Hauptstadt hat sie alle. Da sieht man um 13 Uhr Nachmittag genauso viele Berliner in der S-Bahn wie Samstagnacht um 3 Uhr, das ist Berlin.

Graffiti gibt es an jeder Hauswand, ob schön oder unschön, es prägt das Stadtbild. Müll und Dreck ist keine Seltenheit. Szenepunks sitzen mit Bier und lauter Musik unter der Sonnenuhr am Alexanderplatz, während besoffene Dauerkneipengänger umher taumeln, die Kinder schon auf dem Heimweg von der Schule sehen müssen, ja, das ist auch Berlin und ja, Berlin ist nicht gerade vornehm und schön aber es ist: „sexy“!

Blick über dem Reichstag zum Fernsehturm / commons.wikimedia.org / by Thomas Wolf

Blick über dem Reichstag zum Fernsehturm / commons.wikimedia.org / by Thomas Wolf

Wie sieht es denn mit dem Geld aus? Berlin hat keine Probleme mit den Einnahmen, eher mit den Ausgaben. Erstklassige Hochschulen und Universitäten, eine üppige Kulturszene, das kostet alles Geld. Das größte Problem allerdings ist, dass Berlin zu viele alte Leute hat. Jeder fünfte hier ist Rentner. Dazu kommt, dass Berlin die geringste Geburtenrate der Republik aufweist. Hunderttausende Hauptstädter, die seit dem Mauerfall überwiegend arbeitslos waren, nähern sich immer näher dem Rentenalter. Sie werden bis an ihr Lebensende auf staatliche Hilfe angewiesen sein, die größtenteils Berlin zu zahlen hat.
Berlin belegt leider auch den ersten Platz in Sachen Hartz-IV Empfänger, traurige 13% der Bevölkerung leben vom Arbeitslosengeld II.

Aber warum ist es gerade hier so schlimm? 400 000 Industriearbeitsplätze zählte die Mauerstadt zur Wendezeit, heute ist es kaum noch ein Viertel. Es wurden immer mehr Einwanderer, immer mehr Menschen und immer weniger werdende Arbeitsplätze.

Mehr Rentner, wenige Jugendliche, der Generationsvertrag bricht auseinander, aber das ist bekanntlich nicht nur in Berlin so. Doch man wird es in der deutschen Hauptstadt am schnellsten merken. Wie die zukünftigen Renten bezahlt werden sollen bleibt offen.

Doch Berlin lässt sich nicht unterkriegen, keine Zeit für Pessimisten, die Feierhauptstadt feiert weiter. In letzter Zeit ging es sogar bergauf, immer mehr Touristen kommen nach Berlin, die Kreativitätszene erstrahlt in Berlin und hat von der Wirtschaftskrise noch nie etwas gehört, besonders die Filmemacher etablierten sich in letzter Zeit erheblich.

In der Vielfalt des Gemenges sehen Wirtschaftsexperten einen der größten Vorteile der Stadt und begründen damit den Magnetismus. 133 Firmen zogen vergangenes Jahr nach Berlin, vor allem Unternehmen aus den so genannten Zukunftsbranchen verschlägt es in die Stadt, Biotechnologie und Medizintechnik sind zwei davon.
Berlin ist eine impulsive Stadt, und wird es vermutlich immer bleiben.

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